19.03.08

Ernte unserer Tage

Samstag:
Aufmarsch der rumänischen Neonazi-Szene am Piata Universitatii. Erst befremdliches Empfinden ob südländischer Faschisten, dann Erinnerungen an die Eiserne Garde und Rumäniens Beitritt zu Antikommintern.

Sonntag:
Bujinkan-Training in Bukarest. Allerdings im Crângaşi Distrikt nahe der Semănătoarea Metro Station. Von Occidentului dorthin läuft man bequem in einer halben Stunde, wenn man keine Angst vor streunenden Hunden hat, oder den längeren Weg mit weniger Hunden in einer Stunde. Auf dem kurzen Weg hin von einem Auto absichtlich nass gemacht worden, mit ordentlich Schmackes einen Schlenker in die Riesenpfütze. Der Stein war, wie am Tag zuvor bei den Zigeunerkids gesehen, in sekundenschnelle in der Hand, aber Mum wäre nicht stolz auf unseren Helden, und ausserdem hätte nach der zertrümmerten Heckscheibe der einzig sinnvolle Fluchtweg ins Brachland geführt, wo die Hunde wohnen. Also Stein wieder fallen gelassen und schlammverkrustet ins Training.
Dort dann für blutige Lippen gesorgt und generell guten Eindruck hinterlassen, der Hunde wegen den langen Heimweg, Maxi Salat bei McDonalds, weil Hunger und Sonntag.

Montag:
Kein Litho-Kurs. Weil Professor zu tun hat (Bier trinken) und sein Assistent nichts ohne ihn tun darf. Statt dessen Bogdan beim Drucken geholfen, selbst 2 Grafiken gedruckt und von der Damenwelt in Gesprächen vereinnahmen lassen. Abends norwegisch mit Matei und Ioana.
Tagsüber ebenfalls mit ein paar Studenten über den Nazi-Aufmarsch gesprochen. War den meisten eigentlich egal, nur einer wusste davon, also sprachen wir darüber, bis sich dann, Sprachbarriere, herrausgestellte dass er dachte ich hätte ebenfalls _teilgenommen_, unser aller Held hingegen dachte er sei ebenfalls _entsetzt_ darüber. Den aufkommenden Streit dann rumänisch geschlichtet durch die anderen Studenten, hier ist natürlich keiner Nazi oder so, aber die Ungarn gehören definitiv raus aus dem Land. Was über die Zigeuner gesagt wurde bleibt besser unwiederholt.

Dienstag:
Kein Litho-Kurs. Die ganze Woche nicht, weil Meeting. Klar. Wollte drucken, dann aber Schnauze voll von dummer Uni, dann trotzdem gedruckt, dann auf dem Weg zum Dojo gesehen wie ein alter Mann mit Stock überfahren wurde. Beinbruch, aber am Leben. Komplett suizidal an dieser Stelle die 6 Bahnen der Straße überqueren zu wollen. Zuerst wollte niemand ausser mir helfen, dann plötzlich alle, im Handumdrehen ein Menschenpulk und wüste Beschimpfungen.
Unser aller Held ist für nordische Kälte und Kühle gemacht, nicht für hitzige Temperamente. Der alte Mann wurde übrigens erstmal auf die Beine gezerrt, bis dann klar wurde, dass das mit dem Bein so nichts wird. Man schütze sich vor Autos und Unfallhelfern.

Mittwoch:
Lange geschlafen weil erst um 05h ins Bett, weil Ioana und Anamaria und drei andere junge Damen unseren Helden gen ihr Zimmer entführt hatten, und später auf dem Gang Gesprächsrunde, wegen der Mitbewohnerinnen. Deswegen übermüdet in Anatomie gesessen, auf Rumänisch, Muskeln und Schädel zeichnen, vier Stunden lang. Später zur Belohnung und weil Mensa zu Salat bei McDonalds. Keine Küche zu haben macht keinen Spass.

Zwischen Sonntag und Mittwoch ein paar Mal einkaufen gewesen, auch an ein paar "geh da nicht hin" Orten. Unter anderem beinahe einen EKA (Einsatzstock, kurz, ausziehbar) erstanden, dann aber doch das chinesische Billigmodell genommen. Und das schönste - ein Butterfly mit Fingerringen. Geburtstagsgeschenke für Damien.

Posted by Patrick at 19.03.08 23:44
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