05.02.08

DIE RÜCKKEHR

über ein monat ist bereits seit meinem letzten eintrag vorbei. ich bin sehr lustlos. ;) und vielleicht auch nicht ganz so zufrieden mit mir selbst und meiner lebensführung. dies muss sich ändern, irgendwie.

mein auto muss diesen monat zum tüv. ich bin einmal gespannt, ob ich ihn... es noch einmal darüber bekomme. der motor zumindest ist noch fit für einige 1000 km, denke. ob es auch noch nach berlin kommt? da muss man mal schauen.

paddy musste ich heute mittag abwürfen... es war schon früher abend. nachdem ich gestern nacht elf stunden geschlagen hatte habe ich mich am mittag noch einmal für einige stunden hingelegt und auch heute abend werde ich wohl nicht mehr sonderlich alt werden.

ich hatte gerade mit göbel telefoniert, über die einsätze, die am wochenende waren. am sonntag waren wir, waren ich, bei dem schweren mietshausbrand in ludwigshafen dabei. der umzug in ludwigshafen war kaum vorbei, wir warteten eigentlich nur noch auf die besenwagen, um die straße wieder dem verkehr zu übergeben, bevor wir wieder nach hause in die bepo gefahren wären, da wurde es ungemütlich. meine gruppe und ich waren in der ludwigsstraße. es war der erste einsatz für die neuen und lediglich die gruppen- und halbgruppenführer, also der mannschaften, waren erfahrenere kräfte. da bei mir in der halbgruppe auch der gruppenführer, war ich quasi halbgruppenführer und hatte damit auch ein sprechfunkgerät. die schreie im hinterrund der ersten funksprüche kommen zwar nicht immer wieder, aber sind irgendwie im hintergrund noch da. wenn ich mich daran erinnern wollte, könnte ich dies vieleicht sogar. es ging schon unter die haut. im laufschritt und unter den anfeuerungsrufen der menschen, die noch vor einiger zeit dem umzug beiwohnten, ging es dann zum ereignisort. unterwegs überholten wir zwei feuerwehrleute, die wohl ebenfalls zur sicherung des zuges eingesetzt waren, aber keinen funk hatten. im vorbeigehen sagten wir dann, dass sie mitkommen sollten, da es brennen würde. einer von ihnen ließ sofort sein brötchen fallen und sie spurteten sich dann ebenfalls. keine ahnung wie weit der weg war. 500, 600 meter? dann noch um die ecke und wir sahen am ende der straße das haus, welches immer schneller und vollkommener in rauch gehüllt wurde. ich kannte den straßenzug aus einem früheren praktikum, war auch in einem der häuser schon gewesen, als tatort eines einbruchs. daher wusste ich, dass die häuser innen mit viel holz verbaut waren, vielleicht auch mit dem üblichen stroh in den zwischendecken.
wir sahen die menschen auf den balkonen, eingehüllt in dichtem rauch, stehen und schreien. zumindest auf dem unteren balkon, denn der obere war von unserer seite aus gesehen bereits komplett in rauch gehüllt.
die straße war voller schaulistiger. viele von ihnen fotografierten mit ihren mobiltelefonen oder erstellten videos. unser auftrag war, die leute bis zur nächsten kreuzung zurückzuschieben und die straße für weitere rettungsfahrzeuge freizumachen und freizuhalten. manche hätte man wegprügeln müssen. abscheulich, diese schaulistigen. und auch nachdem wir die leute zurückgeschoben hatten, vielleicht 60, 70 meter, war es immer noch erschreckend, wie manche sich verhielten. immer wieder traten leute auf die straße, um besser sehen zu können. unabhängig davon, ob rettungswagen die straße hinauffuhren. menschen nerven!
ich hatte dann eininge sonderaufträge zu tun, da mich die führung mit namen kannte und ich zu den erfahreneren gehörte. daher habe ich meine halbgruppe oft alleine lassen müssen, alleine gelasst. diese wurden dann von anderen übernommen.
da ich so auch mit kollegen aus anderen gruppen und organisationen zusammenkam, wusste ich oft mehr, hatte viel mehr eindrücke und situationen mitbekommen.
es ist eine sehr seltsame sache. irgendwie funktionierte ich wie ein uhrwerk, welches seine arbeit präzise ausführte. ich konnte mir kaum gedanken über dieses unglück machen, nicht wirklich etwas fühlen. nur, wenn es gerade etwas ruhiger wurde. z.b. als ich zwei aufgelöste frauen bei mir an der polizeikette hatte. einer ihrere männer sei in dem cafe gewesen. ich notierte mir also die identität und erreichbarkeit, gab meldung und lief zur turnhalle, der sammelstelle für die verletzten. als ich dann darauf wartete, bis die daten abgeglichen waren traf ich einen kollegen aus mainz, der mich im praktikum vier unterrichtete. er war einer der kollegen, die die leute aufgefangen hatte. er sah nicht gut aus, mehr geschockt als normal. dies macht mich dann auch betroffen.
und so ging es die ganze zeit über. aber dies kennt man ja auch aus der theorie: bei unglücksfällen braucht das gehirn arbeit, sonst arbeitet das gehirn mit dem unglück.
ich war also springer. ich sprach dann noch mit zwei weiteren kollegen aus meinem zug, die im abschnitt des fastnachtsumzuges näher am ereignisort waren. auch diese beiden waren an der rettungsaktion direkt beteiligt, bzw. waren am haus, als es menschen regnete. brutal! die mainzer müssen wohl diesen abschnitt unmittelbar gehabt haben. tobi, ein guter kollege, da er in meiner lehrgruppe war, war bei der evakuierung dabei. naja, zumindest was das cafe betrifft, denn als sie in das wohnhaus wollten schlugen ihnen bereits die flammen entgegen.
sehr schlimm war auch, wie leider in den nachrichten gezeigt, die übergabe des einen kindes vom balkon auf die feuerwehrleiter. ich sah dies von unserem auftragsort aus und wir dachten alle, dass dieses kind tot sei.
für die neuen war es wohl ein ganz besonderer tag. besonders in dieser hinsicht... ich glaube, ich zitiere da am besten: "ihr habt bei eurem ersten einsatz bereits mehr gesehen, als die meisten kollegen in zehn jahren." und besonders ist hier auf keinen fall positiv besetzt.

ich musste dann am montag feststellen, dass mich dies zumindest in der zeitlichen unmittelbarkeit verändert hat. mich haben die menschen, die schaulistigen, wirklich derb geärgert. diese dummheit. diese geilheit. man sollte nicht sehen wollen, wie andere menschen verbrennen. und dies war eigentlich mehr oder weniger klar, dass dies sein könnte. und wenn ich dann sehe, welche kommentare bei youtube geschrieben werden... gestern in mainz hat mich zu einem zeitpunkt die professionalität verlassen. die leute haben sehr viele flaschen einfach zertreten oder auf dem boden aufgeschlagen. als wieder mal einer und dann auch noch direkt neben mir flaschen gegen eine hauswand trat war es klar dass ich ihm etwas sagte. das dumme für mich war, dass ich meinen satz mit idiot schloss. ich war sehr von mir überrascht, da dies noch nie in meinem beruf über die lippen kam. ich war so sauer auf diese unnötige zerstörung, insbesondere da sich schon viele menschen, die auf der glitschigen straße ausgerutscht waren, oder eben rotzevoll waren, an schreben, zum teil, böse geschnitten hatten. ... wenn ich die person noch einmal getroffen hätte, ich hätte mich entschuldigt.
auch, als ich mit kollegen sprach, die nicht am sonntag dabei waren, mir stieg die wut und die tränen der gerührtheit hinter die augen. ich hatte auch das gefühl, dass sich meine stimme veränderte. es hat mich aber niemand darauf angesprochen. vielleicht hat es auch keiner gemerkt?

ansonsten gibt es nichts neues zu berichten. nur langweiliger polizeikram.

oh doch!

the busters im substage. es war eines der besten konzerte seit jahren. nein! es war das beste konzert seit jahren. die musikauswahl hat gestimmt und das publikum auch. passagen, in denen nur das publikum sang... wahnsinn.

und was fast noch besser ist. dort sah ich in den ankündigungen, dass hot water msuic im mai spielen. ein traum geht in erfüllung. ;) ich habe mir natürlich gleich einmal freigenommen.

Posted by Norbert at 05.02.08 22:53
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